Deutscher Biennale-Pavillon in Venedig wird zum Zankapfel

Rialto-Brücke in Venedig
Offen ist derzeit noch die Zukunft des deutschen Pavillons bei der Biennale in Venedig.

Der deutsche Pavillon in den Giardini von Venedig, wo im jährlichen Wechsel die Biennale der Kunst und Architektur stattfindet, steht aktuell im Mittelpunkt eines Streits zwischen Deutscher Architektenkammer und dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler einerseits sowie dem Bundesbauministerium andererseits. Das Bauwerk, das den Ausstellern aus Deutschland während der Biennale in Venedig bereits seit 1909 als vorübergehende Heimat dient, soll abgerissen werden und durch einen neuen Pavillon ersetzt werden. Mit dieser Forderung gab Professor Arno Sighart Schmid, Präsident der Architektenkammer, den Stein des Anstoßes zur Diskussion über die Zukunft des deutschen Pavillons in den Giardini von Venedig. Inzwischen bekommt der Architekt auch Unterstützung von Werner Schaub, dem Vorsitzenden des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler, der dem Präsidenten der Architektenkammer das Wort redet. Völlig anderer Meinung ist hingegen das Bundesbauministerium, das für den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig verantwortlich ist.

Die beiden Vertreter der Fachverbände erkennen im deutschen Pavillon sowohl aus historischer als auch architektonischer Sicht ein Problem. Der Umbau des Pavillons im Jahr 1938 wurde durch die Nazis beauftragt, was für die Architekten und Künstler offensichtlich ein großes Imageproblem darstellt. Darüber hinaus macht Schaub in seiner Stellungnahme aber auch architektonische Schwächen geltend, die den deutschen Pavillon nicht gerade zum Blickfang auf der Biennale in Venedig machten. Vera Moosmeyer, Sprecherin des Bundesbauministeriums, hält der Kritik entgegen, dass man Geschichte nicht ungeschehen mache, indem man architektonische Zeitzeugen abreiße. Im Gegenteil müsse man geschichtsträchtige Bauwerke wie den deutschen Pavillon in Venedig unbedingt erhalten, so Moosmeyer.

Eine Lösung des Konflikts scheint wohl nicht zeitnah realisierbar zu sein - jedenfalls nicht vor der nächsten Biennale in Venedig, die am 29. August 2010 ihre Pforten öffnet. Als einer der größten Events in Venedig und Italien lockt die Biennale alljährlich zusätzliche Touristen in die Lagunenstadt, die sich aufgrund der starken Nachfrage in den Venedig Hotels im Zentrum nicht selten für etwas außerhalb gelegene Unterkünfte entscheiden, z.B. ein Hotel in Mestre. In diesem Jahr widmet sich die Biennale in Venedig der Architektur, nachdem im vergangenen Jahr die Kunst an der Reihe war.

Kai Rebmann

Foto: imagebank max-td

Datum: 03.07.2010